Die Arbeiterkammer Österreich (AK) hat eine interessante Untersuchung durchgeführt, die unsere Erfahrungen bestätigt. Verständlichkeit und Transparenz sind auch Online oft ein Problem. Für die Studie wurden die Webseiten von 7 österreichischen Banken analysiert. Als Fazit schreibt die AK: um die Kostenstrukturen der Girokonten zu verstehen, muss man das Fachchinesisch beherrschen.

Dabei wird vor allem kritisiert, dass oft kostenlose Girokonten beworben werden – die kostenpflichtigen Zusatzleistungen jedoch nicht erwähnt werden. Neben diesen Unklarheiten bei den Kosten für die Konten wurden auch reihenweise Fachbegriffe im Kontext Zahlungsverkehr identifiziert, die als nicht verständlich klassifiziert wurden. Diese Begriffe wurden nicht erklärt, tragen also somit zu einer fehlenden Verständlichkeit bei.

Dabei kritisert die AK vor allem, dass ein preisvergleich nicht möglich sei, da die Banken hier unterschiedlich kommunizieren. „Einige Informationen über Girokontopreise sind zwar großteils vorhanden. Aber: Vier (Bank Austria, Bawag Psk, Erste Bank, Raiffeisen NÖ Wien) der sieben Banken führen nur teilweise Preise an – und das nicht übersichtlich und kompakt. Bei der Hypo NÖ Landesbank waren gar keine Preise zu finden“.

Weiter wird kritisiert, dass die Banken zwar viel Fachchinesisch verwenden, aber dem Leser kein Glossar bieten, mit dem bei schwierigen Begriffen Klaheit geschafft werden kann. Ein Beispiel für einen solchen Fachbegriff ist beispielsweise der Begriff POS-Zahlung. Dieser Begriff taucht auf, ohne das er erklärt wird.

Die Ergebnisse der Untersuchung führt die AK zu folgenden Forderungen:

  • Standardisiertes Informationsblatt für Girokonten vor Vertragsabschluss
    Die AK fordert ein standardisiertes Produkt-Informationsblatt für Girokonten. Dieses soll dem user vor Vertragsschluss ausgehändigt werden.  Dabei geht die AK sogar einen Schritt weiter und schlägt eine Europäische Standardinformation für Verbrauchergirokonten vor – genauso wie es das bereits bei den Verbraucherkrediten gibt. Darin sollen neben Informationen über die anbietende Bank, Adresse und Produktname die zentralen Transaktionspreise und Konditionen für Zinsen und Spesen übersichtlich aufgelistet sein.
  • Mehr Verständlichkeit auf Banken-Homepages
    Die Banken-Homepages sollen standardisierte, leicht verständliche Darstellung der wichtigsten Girokontopreise und verpflichtende Glossare zu Begriffen des Zahlungsverkehrs enthalten. Bei Konten mit pauschalen Kosten sollen klare und verständliche Informationen über die Leistungen abrufbar sein. Aus diesen soll klar hervorgehen, was die Konten kosten und was bei diesen Kosten enthalten ist. Es soll auch angegeben sein, wie viel Leistungen kosten, die nicht enthalten sind.
  • Aus unserer Sicht können wir diese Forderungen nur unterschreiben. Gerade die Forderungen Vergleichbarkeit, Verständlichkeit und Transparenz sollten von den Banken aufgenommen werden. Denn heute gibt es viele verschiedene Möglichkeiten, wie Banken die nötige Klarheit, Verständlichkeit und Transparenz erreichen können. Nur tun müssen es die Banken selbst – auch wenn Klartext-Initiativen ein aufwendiges Unterfangen sind.

    Link zum Artikel: Arbeiterkammer Österreich

    Links zu Klartext-Initiativen: Institut für Verständlichkeit

    Autor:

    Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.