Dieser Frage ist Keith Chen in einem lesenswerten Artikel auf den Grund gegangen. Er stellte sich nämlich genau die Frage: Welchen Einfluss haben die grammatikalischen Besonderheiten einer Sprache für einen Einfluss auf das Verhalten der Menschen?  Seine Antworten sind durchaus überraschend und spannend. Denn wie es scheint, hat die grammatikalische Konstruktion, insbesondere des Futurs, einen messbaren Einfluss auf verschiedene Dinge, so zum Beisiel auf das Sparen, das Rauchen, oder auch die Vorsorge.

 

Grammatikunterschiede: Sprachen konstruieren Zukunft verschieden

Seine Grundannahme geht davon aus, dass Sprachen sich signifikant in der grammatikalischen Konstruktion der Zukunft unterscheiden. Und das Sprecher von Sprachen, in denen die Zukunft (Futur) grammatikalisch strenger von der Gegenwart  (Präsens) getrennt sind, auch zu einem anderen Verhalten tendieren. Wir Deutschen sind beispielsweise Sprecher einer solchen Sprache. Konkret bedeutet dies: Wenn wir sagen wollen, dass es morgen regnen wird, dann können wir dies durch Nutzung der Gegenwart ausdrücken. Es regnet morgen. Ein Sprecher des Englischen müsste aber eine eigene grammatikalische Form wählen, beispielsweise „it will rain tomorrow“. Er kann nicht sagen „it rains tomorrow“. Dadurch muss der Sprecher des Englischen eine klare Trennung zwischen Zukunft und Vergangenheit machen. Der Sprecher des Deutschen kann die Handlungen der Zukunft ohne diese Trennung direkt in der Gegenwart verankern.

 

Auswirkungen verschiedener Sprachkonstruktionen von Zukunft

Was für Auswirkungen hat dies konkret? Chen nennt zum Beispiel:

  • weniger rauchen
  • mehr sparen
  • mehr vorsorgen
  • gesünder in Rente gehen
  • weniger dick sein
  • und häufiger Kondome benutzen.

Dabei ist die Sprache aber nicht der Grund für diese Unterschiede. Vielmehr reflektiert die Sprache, besser gesagt hier die grammatikalische Konstruktion der Zukunft, tiefer liegende Unterschiede, die sich nicht nur im Verhalten zeigen, sondern auch in den Handlungen.

 

Zum vollständigen Artikel auf aeaweb.org.

Autor:

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.