Wahlprogramme sind so unverständlich wie nie

„Quellentelekommunikationsüberwachung“ – ist das nicht ein schönes Wort? Schön lang auf jeden Fall. Wer schreibt denn sowas, fragen Sie? Die FDP schreibt sowas – in ihrem Wahlprogramm. Mit solchen unverständlichen Wortungetümen sind die Liberalen nicht alleine in der Parteienlandschaft: Die aktuellen Wahlprogramme aller Parteien strotzen nur so von Wortmonstern und Bandwurmsätzen mit bis zu 79 Wörtern. Das zeigt eine neue Studie der Universität Hohenheim.

Die Studie gehört zu einem Langzeitprojekt der Uni Hohenheim. Dabei werden seit der Bundestagswahl 1949 alle 83 Wahlprogramme der im Deutschen Bundestag oder in drei Landtagen vertretenen Parteien auf ihre Verständlichkeit untersucht. Für die Analyse verwenden die Wissenschaftler die Software TextLab mit dem „Hohenheimer Verständlichkeitsindex“, kurz HIX.

 

Im Schnitt 43.541 Wörter pro Programm

Die diesjährigen Programme sind in Sachen Verklausulierung rekordverdächtig: „Nur 1994 waren die Programme im Schnitt noch unverständlicher,“ sagt Kommunikationswissenschaftler Frank Brettschneider, Mitautor der Studie. Die Wahlprogramm werden auch immer länger: 1949 enthielten die Programme durchschnittlich noch 5.498 Wörter, jetzt sind es 43.541 Wörter pro Programm. Da muss man als Wähler*in schon sehr motiviert sein, um diese Werke konzentriert durchzulesen. Das längste Wahlprogramm legte dieses Jahr die Linke vor – die kürzesten Programme stammen von AfD und SPD.

Am formal verständlichsten ist noch das Wahlprogramm der Linken, während die Grünen das Schlusslicht bilden: „Es handelt sich um das formal unverständlichste Wahlprogramm der Partei seit 1983″, sagt Frank Brettschneider.

 

Expertenrunden und der „Fluch des Wissens“ 

Von der vielbeschworenen und versprochenen Transparenz und Bürgernähe bleibt in den Wahlprogrammen also wenig übrig. „Damit schließen die Parteien einen großen Teil Ihrer Wählerinnen und Wähler aus“, bemängelt Frank Brettschneider. Die Gründe für die chronische Unverständlichkeit liegen für Brettschneider im „Fluch des Wissens“: „Die Themenkapitel sind das Ergebnis innerparteilicher Expertenrunden. Diesen ist meist gar nicht bewusst, dass die Mehrheit der Wähler ihren Fachjargon nicht versteht.“

Einleitungen und Schlussteile seien dagegen oft sehr gut verständlich. „Das zeigt, dass Parteien durchaus verständlicher formulieren könnten – wenn sie wirklich wollen“, sagt der Stuttgarter Sprachwissenschaftler.

Und wenn der Wille da ist, gibt es TextLab! Die Software ist intuitiv und benutzerfreundlich – mit wenigen Klicks macht TextLab auf Unverständliches aufmerksam und bietet zusätzlich Verbesserungsvorschläge. Damit ist es einfach, auch ganze Wahlprogramme transparenter und bürgernäher zu formulieren – vielleicht sogar künftig für Parteien …

 

Den Artikel zum Thema finden Sie unter anderem hier:

Süddeutsche Zeitung: https://www.sueddeutsche.de/politik/wahlen-stuttgart-studie-wahlprogramme-werden-immer-unverstaendlicher-dpa.urn-newsml-dpa-com-20090101-210828-99-999029

 

Autor:

Diana Dehner ist ausgebildete Journalistin und Werbetexterin. Neben der Umsetzung von Sprachprojekten ist sie bei uns besonders spezialisiert auf die Entwicklung von Mailings, Anzeigen und Pressetexten.