Seit einem Dreivierteljahr können Verbraucher abrufen, welche Daten die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa) über sie gesammelt hat. Sonderlich erhellend sollen die Auskünfte aber nicht sein.

Aus dem Artikel:

Wer Informationen über von der Auskunftei gesammelte persönliche Daten anfordere, erhalte eine Übersicht, die schwer lesbar und irreführend sei, sagte Frank-Christian Pauli, Bankenreferent beim Verbraucherzentrale Bundesverband. „Den meisten Verbrauchern wird nicht schlüssig, warum sie so bewertet wurden, wie sie bewertet wurden.“ Die Schufa wies die Kritik zurück: Die Auskunft entspreche den gesetzlichen Anforderungen und sei mit den Aufsichtsbehörden abgestimmt.

(…)

Wie diese Daten aber in die übermittelte Bonitätsauskunft, also das Scoring, hineinspielten, werde nicht deutlich, sagte Pauli. Die Informationsdarstellung in Tabellenform mit Angaben wie „überdurchschnittliches Risiko“ oder „deutlich unterdurchschnittliches Risiko“ werfe viele Fragen auf. Schlimmer noch: Die Aussagen beruhten immer auf statistischen Werten und seien nie individuell begründet.

„Das, was da bewertet wird, ist nur ein Schatten von mir“, sagte Pauli. Es handle sich um Annahmen, die auf in einer bestimmten Gruppe mit gleichen Daten gewonnenen Erfahrungswerten basierten: „Besagt die Statistik beispielsweise, dass Menschen, die häufig die Adresse wechseln, ihre Schulden nicht begleichen, heißt das noch lange nicht, dass ich – trotz häufiger Umzüge – meinen Zahlungen nicht nachkomme.“ Persönliche Umstände berücksichtige die Schufa-Bewertung nicht. Dazu zählten auch andere wichtige Daten wie fester Job und hohes Einkommen.

Zum Artikel im Tagblatt.

Dabei bietet die Schufa hier ja eigentlich einen sehr positiven Service für die Bürger. Seit 2010 kann sich jeder Bürger einmal im Jahr kostenlos seine Einstufung und eine Übersicht über die von ihm gespeicherten Daten bestellen. Leider wird dieser positiv nutzbare Fakt jedoch anscheinend durch völlige Unverständlichkeit komplett wieder zu Nichte gemacht. Eigentlich schade, denn eigentlich sollte es der Schufe ja daran gelegen sein, ein positives Image aufzubauen.

Direkt zur Schufa-Auskunft

Autor:

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.