Die Deutsche Verkehrswacht sammelt Wortungetüme aus der StVO. Und alle können helfen. Verkehrsteilnehmer sind aufgerufen, ihre Vorschläge per Mail an facebook@dvw-ev.de zu senden. Die Verkehrswacht hat auch schon die ersten Wörter als Beispiele vorgegeben:

„Einfädelungsstreifen / Ausfädelungsstreifen“, „Fahrtrichtungsanzeiger“ (oder auf Deutsch Blinker), „Wechsellichtzeichen“ (oder auf Deutsch Ampel), „Schallzeichen“ (oder auf Deutsch hupen).

Wer sich auf die Suche nach Wortungetümen oder furchtbaren Sätzen machen will, der findet die StVO hier: StVO. Um mit einem guten Beispiel voranzugehen, habe ich mich auch gleich auf die Suche gemacht. Lange musste ich nicht suchen. Gleich der dritte Punkt (3a) ist ein wunderbares Beispiel für verschwurrbeltes Deutsch, das völlig am Bürger vorbeigeht.

Original:

Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Kraftfahrzeug nur mit Reifen gefahren werden, welche die in Anhang II Nummer 2.2 der Richtlinie 92/23/EWG des Rates vom 31. März 1992 über Reifen von Kraftfahrzeugen und Kraftfahrzeuganhängern und über ihre Montage (ABl. L 129 vom 14.5.1992, S. 95), die zuletzt durch die Richtlinie 2005/11/EG (ABl. L 46 vom 17.2.2005, S. 42) geändert worden ist, beschriebenen Eigenschaften erfüllen (M+S-Reifen).

Was will man hier eigentlich sagen? Nun, die Aussage an sich ist ganz einfach. Ich formuliere mal um:

Bei Glatteis, Schneeglätte, Schneematsch, Eis- oder Reifglätte darf ein Auto nur mit Winterreifen oder für den Winter zugelassene Reifen gefahren werden. Die Eigenschaften, die diese Reifen erfüllen müssen, finden Sie hier: Richtlinie 2005/11/EG im Anhang 2.

Was mir bei solchen Verweisen auf andere Verordnungen immer wieder auffällt: Es wird auf eine Verordnung verwiesen, und mitgeteilt, wann diese geändert wurde. Es gibt doch eigentlich keinen Grund, warum man darauf hinweisen muss, dass die Verordnung vor 23 Jahren am 7. Oktober durch Hubert Wahnsinn geändert wurde. Es gilt ja die veränderte Verordnung. Und es reicht, darauf zu verweisen. Falls aber Jemand eine vernünftige Erklärung dafür hat, weshalb man bei Verweisen auf Verordnungen auch immer gleich noch angibt, wann diese geändert wurden, freue ich mich über einen Hinweis.

Autor:

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.