Nachdem die Bundesregierung relativ vorschnell die Lösung der Verbraucher-Informations-Krise verkündet hat, indem die Stiftung Warentest mit zusätzlichen Mitteln ausgestattet werden soll, dämpft nun die Stiftung selbst die Euphorie. Man wolle kein Organ sein, dass einen Eingriff in die Zulassung von Finanzprodukten habe. Lediglich die bisher schon stattfindenden Prüfungen wolle man mit den Mitteln ausbauen.

So schreibt die Arbeitsgemeinschaft Finanzen: „Mit dem zusätzlichen Personal werde man mehr und tiefgründigere Tests durchführen, stellt die Stiftung dazu fest, Exekutivrechte zur Zulassung beziehungsweise Verbot von Geldanlage-Produkten wolle man nicht wahrnehmen. Auch bezüglich Inhalt der Prüfungen und der Art des getesteten Finanzprodukts möchte man sich nicht zu sehr vor den Karren der Politik spannen lassen.“

Was bedeutet dies nun für den Verbraucher? Kann der Finanz-TÜV (der ja gar nichts mit dem TÜV zu tun hat) die Verbraucher nun tatsächlich schützen? Je länger die Diskussion andauert, deste eher sind wir der Meinung dass dem Verbraucher die zusätzlichen Mittel für die Stiftung Warentest nicht unbedingt zu Gute kommen. Natürlich kann man von der Stiftung Warentest nicht verlangen, dass sie bei der Zulassung von Finanzprodukten ernsthaft mitredet. Das ist nicht ihre Aufgabe. Und vermutlich ist die Stiftung Warentest auch nicht gerade froh, diese Aufgabe jetzt von der Politik aufgedrückt bekommen zu haben.

Somit bleibt aber das Problem weiter bestehen: Wer soll denn nun die Verbraucher schützen?

Aus unserer Sicht ist diese Aufgabe klar an die BaFin zu richten. Bisher arbeitet die BaFin hier nur sehr zögerlich. Beispielsweise wird bisher die Verständlichkeit von Unterlagen von einem Wirtschaftsprüfer erfasst. Es gibt keine Methodik, kein zugelassenes Prüf-Verfahren, kein Benchmark den Dokumente ereichen müssen. Dabei müsste die BaFin doch nur zu Ihrem Nachbarn, der BfArM (dem medizinischen Pendant) schauen. Diese prüft schon seit Ende 2005 medizinische Beipackzettel auf Verständlichkeit. Mit einem nachvollziehbaren Verfahren. Mit Sanktionen wenn die Auflagen nicht erfüllt werden.

Es wäre ganz einfach. Und man müsste weder das Rad neu erfinden, noch einer Institution wie der Stiftung Warentest einen Schuh anziehen, der nicht passt.

Autor:

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.