In einem interessanten Interview wird auf die Verdenglischung (zu Deutsch: übermäßiger Gebrauch von englischen Begriffen) der Sprache in Gera eingegangen. Der Geraer Hartmut Großmann vom Verein deutscher Sprache weist auf einige interessante Aspekte in Gera hin und beklagt eine Zunahme englischer Begriffe wie Back Factory, Sale oder McPaper. Aber auch die Stadtverwaltung bekommt ihr Fett ab. So sei die Verwendung des Begriffes FlatCard für eine Bibliothek beschämend, oder der Begriff Safe Point auf Bussen und Bahnen nur für eine Minderheit verständlich.

 

Wie viele Geraer können Denglisch?

Herr Großmann geht davon aus, dass nur ein geringer Teil der Bevölkerung mit den englischen Begriffen klar kommt. Dabei hat er besonders bei der älteren Generation sicherlich recht, denn gerade in den ehemaligen DDR-Gebieten war früher Russisch statt Englisch angesagt. Eine Tatsache, die heute oft vergessen wird. Bei Jugendlichen würde ich diese Meinung jedoch nicht unbedingt teilen. Denn nicht nur durch Schule, sondern vor allem durch das Internet oder Musik findet eine Gewöhnung an Englische Begriffe statt, die Anglizismen zu einem durchaus sehr kleinen Problem werden lassen.

 

Anglizismen benachteiligen Ältere

Wo Herr Großmann jedoch recht hat, ist, dass die Verwendung von Anglizismen gerade für ältere Mitbürger diskriminierend sein kann. Und das gerade Verwaltungen und öffentliche Einrichtungen mehr auf ihre Sprache achten sollten. Als positives Beispiel nennt er dabei Galeria Kaufhof: Die haben doch tatsächlich den Sale wieder Schlussverkauf genannt.

 

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Anikar Haseloff

Autor: Anikar Haseloff

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.