Seit nunmehr einem Jahr ist die Corona-Pandemie das mediale Top-Thema auf (fast) allen Kanälen. Das Virus ist aber nicht nur medial allzeit präsent, sondern greift auch auf vielfältigste Weise in unseren Alltag ein.

Viele von uns befassen sich deshalb auch deutlich öfter und intensiver mit medizinischen Informationen, als wir es sonst tun würden. Und nicht nur das: Auch andere Wissenschaftsfelder beeinflussen den Informationsalltag. Wir beschäftigen uns in der täglichen Nachrichtenlektüre wie selbstverständlich mit Inzidenzen, R-Werten, Antigen- und PCR-Tests und diskutieren über AHA-Regeln, Resilienz und Provenienzforschung.

Man kann sagen, Corona hat nicht nur einen medizinischen, sondern auch einen informationellen Ausnahmezustand erzeugt. Und gerade deshalb sind wir dringend darauf angewiesen, die von offiziellen Stellen veröffentlichten Informationen zu verstehen und nachzuvollziehen.

In Krisenzeiten suchen Menschen Informationen und Orientierung. Regierungen sollten beides liefern. Und zwar in einer auch für Laien verständlichen Form. Informationen zur Corona-Pandemie und zu den staatlichen Schutzmaßnahmen sollten besonders verständlich sein, meint der Kommunikationswissenschaftler Professor Dr. Frank Brettschneider von der Universität Hohenheim.

Wie aber ist es tatsächlich um die Verständlichkeit der Kommunikation in der Corona-Krise bestellt?

 

Ein V-Wert für die Infodemie

Schon kurz nach Beginn der Corona-Pandemie haben wir im Communication Lab eine erste Studie zur Kommunikation in der Corona-Pandemie veröffentlicht. Im Zeitraum von Januar bis März 2020 haben wir die Online-Texte zu Corona von verschiedenen Quellen untersucht:

  • Robert Koch-Institut: rki.de
  • Fachmedien: aerztezeitung.de, aerzteblatt.de
  • Behörden: bmbf.de, bundesgesundheitsministerium.de, infektionsschutz.de, bund.de
  • Medien: spiegel.de, tagesschau.de, welt.de, fr.de, merkur.de, sueddeutsche.de, bild.de

Zur Messung des V-Werts, des Verständlichkeitswerts also, kam der „Hohenheimer Verständlichkeits-Index“ (HIX) zum Einsatz. Dieser misst die formale Verständlichkeit von Texten auf einer Skala von 0 (= sehr schwer verständlich) bis 20 (= sehr leicht verständlich). Für Fachinformationen, die an Laien adressiert sind, sollte ein Wert von mindestens 12 erreicht werden – alles darunter ist als kritisch für die Verständlichkeit einzustufen.

Die Ergebnisse der Studie waren diesbezüglich ernüchternd: Durchschnittlich erreichten die Informationen einen Wert von 8,8 auf der HIX-Skala. Den niedrigsten Wert von 5,1 erhielt das RKI. Den besten Wert von 10,6 erzielten die Informationen der etablierten Medien. Das heißt: Die Informationen zur Corona-Pandemie waren in den untersuchten Texten insgesamt schwer bis sehr schwer verständlich.

Eine aktuelle Langzeitstudie der Universität Hohenheim bestätigt nun die Ergebnisse der ersten Studie: Die Forscher*innen am Lehrstuhl für Kommunikationswissenschaft haben 1.362 Pressemitteilungen der Bundesregierung untersucht, die im Zeitraum von März 2020 bis Januar 2021 mit Corona-Bezug erschienen sind.

Die Pressemitteilungen wurden mit der Software TextLab wissenschaftlich analysiert. Neben der Bewertung der Verständlichkeit mit dem Hohenheimer Verständlichkeits-Index wurden etliche für die Verständlichkeit relevante Textkriterien untersucht. Dazu zählen unter anderem die Satz- und Wortkomplexität, der Sprachstil und die Wortwahl. Zur Bestimmung des V-Werts setzen die Forscher*innen auch in dieser Studie den Hohenheimer Verständlichkeits-Index ein.

Die Ergebnisse zeigen, dass die Pressemitteilungen der Bundesministerien als schwer verständlich einzustufen sind. Die untersuchten Texte lagen auf der HIX-Skala im Schnitt bei 7,4. Die Informationen wurden mit der Zeit nicht einfacher. Sie schwankten auf Monatsbasis zwischen einem Wert von 6,9 und 8,4.

 

Woran krankt die Verständlichkeit?

Der Grund für die schwache Bewertung der formalen Verständlichkeit der Pressemitteilungen sind unter anderem Fremd- und Fachwörter, die nicht erklärt werden, es aber dringend nötig hätten. Oder wissen Sie was Zytokinsturm, Covax-Fazilität oder Letalität bedeuten?

Auch lange, zusammengesetzte Wörter sind eine typische Ursache für unverständliche Texte – und solche gibt es viele in der Corona-Kommunikation. Um nur einige zu nennen: COVID-19-Insolvenzaussetzungsgesetz, SARS-CoV-2-Genomsequenzen und Corona-PCR-Schnelltest.

Hinzu kommen lange, verschachtelte Sätze mit 40, 50 oder mehr Wörtern. Diese scheinen eher die Norm als die Ausnahme zu sein. Der mit 87 Wörtern längste Satz stammt vom Bundeskanzleramt:

„Entsprechend des Beschlusses des Chefs des Bundeskanzleramtes und der Chefinnen und Chefs der Staats-und Senatskanzleien vom 26. Juni 2020 werden die Länder weiterhin korrespondierend zu den beschränkenden Maßnahmen in den besonders betroffenen Gebieten Vorsorge treffen, dass Reisende aus einem besonders betroffenen Gebiet nur dann in einem Beherbergungsbetrieb untergebracht werden dürfen beziehungsweise ohne Quarantänemaßnahme in ein Land einreisen dürfen, wenn sie über ein ärztliches Zeugnis in Papier- oder digitaler Form verfügen, welches bestätigt, dass keine Anhalts-punkte für das Vorliegen einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 vorhanden sind.“

Eine Häufung solcher Verständlichkeitsbarrieren führt zu Texten, die für Laien kaum lesbar und verständlich sind. Was also tun, um Informationen für möglichst viele zugänglich zu machen?  

 

TextLab: ein Impfstoff gegen Unverständlichkeit

Im Laufe der Corona-Pandemie haben wir viel über wissenschaftliche und politische Kommunikation gelernt. Neuste wissenschaftliche Erkenntnisse wurden zum Teil erst im Laufe der Krise gewonnen. Strategien mussten immer wieder über Bord geworfen und Entscheidungen revidiert werden – während in Echtzeit darüber kommuniziert wurde. Das war in dieser Form neu und mag auch der Grund für so manche Kommunikationspanne sein.  

Nicht ganz so neu dagegen sind die Erkenntnisse aus der Lesbarkeits- und Verständlichkeitsforschung. All die genannten Barrieren für die Verständlichkeit – komplexe Wörter, komplexe Sätze – sind nun schon seit über einem Jahrhundert bekannt und werden trotzdem bis heute nicht ausreichend beachtet.

Angesichts der starken gesellschaftlichen Verwerfungen, der sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise und der damit zusammenhängenden Abhängigkeit von Information, kann man sich im Hinblick auf die Studienergebnisse nur verwundert den Kopf kratzen.

Warum ist es nicht möglich, Informationen so aufzubereiten, dass sie von möglichst vielen verstanden werden und so zur Bewältigung der Krise beitragen können?

Frank Brettschneider erklärt dieses Phänomen so: „Unverständlichkeit hat viele Gründe. Zeitdruck, Gewöhnung an abstraktes Verwaltungsdeutsch, vor allem aber das eigene Fachwissen von Experten.“

Um genau diesen Herausforderungen zu begegnen, gibt es Tools wie TextLab. Durch eine wissenschaftliche fundierte und sehr effiziente Messung und Bewertung von Texten können die größten Hürden blitzschnell identifiziert und beseitigt werden. User*innen erhalten nicht nur eine objektive Einschätzung der Textverständlichkeit. Sie profitieren auch von ganz praktischen Tipps, an welchen Stellen Verbesserungsbedarf besteht und wie der Text vereinfacht werden kann.

TextLab ist also ein erprobter und sehr wirksamer Impfstoff gegen unverständliche Texte. Bislang sind uns keine Nebenwirkungen bekannt und die Behandlung tut auch bestimmt nicht weh. Es ist nur ein ganz kleiner Klick mit der Maus.  

 

Weitere Infos zu den Studien finden Sie hier:

https://www.uni-hohenheim.de/uploads/media/Studie_Corona.pdf

https://www.comlab-ulm.de/project/studie-corona/

Autor:

Oliver Haug ist Mitbegründer und Geschäftsführer des Communication Lab. Der Kommunikationswissenschaftler berät zu den Themen Kundenansprache und Corporate Language. Seine Spezialgebiete sind Verständlichkeitsanalysen, Prozessoptimierung und Markensprache.