Eine Studie des Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz bestätigt erneut die Ergebnisse der Studie des Communication Lab aus dem letzten Jahr. Diesmal jedoch mit noch drastischeren Ergebnissen. So zeigten 43 Prozent der Produktinformationsblätter (PIBs) deutliche Mängel. Zitat Versicherungsjournal: „Auf der anderen Seite zeigte sich in 43 Prozent aller untersuchten Blätter, dass wichtige Angaben fehlten oder überflüssige und unzulässige Angaben gemacht wurden“. Andererseits waren wiederum die typischen Barrieren identifiziert worden: Schachtelsätze, Fachsprache, oder schwamige Formulierungen.

Die Studie wurde dabei mit einem umfangreichen Methodenmix durchgeführt. Grundlage bildeten zum einen 160 PIBs aus verschiedenen Bereichen die analysiert wurden, 20 qualitative Verbraucherinterviews die im Vorfeld geführt wurden, 22 Interviews mit Experten, sowie die Befragung von 2016 Verbrauchern zu den PIBs. Ein interessantes Ergebnis der Studie ist dabei, dass die PIBs dem Verbraucher sowohl bekannt sind, wie auch vom Verbraucher als sehr wichtig eingestuft werden. Somit sind PIBs nicht als lästiges Beiprodukt zu sehen, sondern sollten von Finanzinstituten als wichtiges Werkzeug für den Kunden wahrgenommen werden. Die zentralen Ergebnisse in Bezug auf Verbraucher und PIBs lauteten:

Die Verbreitung und Akzeptanz von PIBs ist sehr hoch. Bereits im Spätsommer 2011waren PIBs zumindest der Hälfte der deutschen Bevölkerung bekannt (47Prozent der Befragten aus der Repräsentativbefragung gaben an zu wissen, was ein PIB ist). Bei erfahrenen Geldanlegern lag die Bekanntheit sogar bei 85Prozent.

Den Kennern waren PIBs vor allem durch Beratungsgespräche (62Prozent) und das Internet (37 Prozent) sowie über die Medien geläufig.

Die PIBs wurden von der Mehrheit der Befragten auch aktiv genutzt:So gaben 56 Prozent an, es intensiv gelesen zu haben – insbesondere Personenüber 60 Jahre oder mit höherem Einkommen und höherem Schulabschluss. 43 Prozent haben es zumindest überflogen, nur ein Prozent hefteten es nach Übergabe durch einen Berater ungelesen ab.

Insgesamt erachten 71 Prozent der Verbraucher nach Erläuterung ein PIB fürwichtig oder eher wichtig, fast gleichauf mit der für Geldanleger wichtigsten Informationsquelle, dem Berater (75 Prozent).

Für 80 Prozent der Befragten ist ebenso die Online-Verfügbarkeit der PIBs wichtig.

(Quelle: Studie des Ministeriums)

Dieses Ergebnis ist hochspannend. Zeigt es doch ganz deutlich, wie wichtig den Verbrauchern das PIB ist. Von daher ist es umso alarmierender, dass die Ergebnise wieder so schlecht ausfallen.

Bei den PIBs selbst sind die Ergebnisse ebenfalls sehr spannend:

89 Prozent der PIBs sind einheitlich gegliedert und entsprechen den Vorgaben. Dies führt auch dazu dass diese PIBs als strukturiert und übersichtlich eingeschätzt werden. Dieses Ergebnis ist als sehr positiv zu werten aus unserer Sicht.

Ein weiteres positives Ergebnis ist, dass die PIBs den gesetzlichen Umfang von 2 – 3 Seiten einhalten. Damit wird der Gedanke, den Verbraucher zumindest kurz zu informieren umgesetzt.

Negativ hingegen ist die Tatsache, dass die Finanzinstitute dem Wunsch der Verbraucher nach einer Online-Verfügbarkeit nicht nachkommen. So sind nur bei sehr wenigen Instituten die PIBs Online verfügbar.

Als wichtigste Schlußfolgerung sehen die Autoren jedoch die Erkenntnis, dass die Zielsetzung der PIBs (verständliche, vergleichbare und übersichtliche Information der Verbraucher) nicht erreicht wird. Nur etwas mehr als 50 Prozent der PIBs entsprachen den gesetzlichen Anforderungen.

Dabei unterscheidet die Studie mehrere Problemfelder, die dem gesetzlichen Anspruch nicht genügen:

– Fehlende Vollständigkeit in den Angaben

– Mangelhafte Verständlichkeit

– Fehlende Vergelichbarkeit

– Fehlende Transparenz

Die Studie schließt dann mit einer interessanten Diskussion zu Verbesserungsvorschlägen. Dabei werden aus den Ergebnissen der Studie konkrete Handlungsempfehlungen abgeleitet. Diese findet der interessierte Leser hier.

Autor:

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.