Eine Kundenzufriedenheitsstudie des Sozialministeriums zeigte, dass sich Migranten beim Arbeitsmarktservice (AMS) in Österreich schlecht beraten fühlen. Neben der Höflichkeit wird auch die Verständlichkeit der Unterlagen und Formulare bemängelt. In unseren Seminaren und Beratungen weisen wir auf diesen Punkt immer wieder hin: Mit einer höheren Zahl an Migranten wird die Bedeutung einfach verständlicher Unterlagen und Formulare immer wichtiger. Der folgende Artikel erschien im Kurier:

„Das AMS hat bei der Betreuung von Arbeitslosen mit Migrationshintergrund noch gehörigen Aufholbedarf, geht aus einer dem KURIER vorliegenden Kundenzufriedenheitsstudie im Auftrag des Sozialministeriums hervor. Darin bewerten Migranten die Erstberatung beim AMS deutlich negativer als der Rest der rund 1000 befragten Arbeitslosen. Insbesondere bei der Freundlichkeit und Höflichkeit der AMS-Berater sowie bei der Verständlichkeit der erhaltenen Informationen zeigen sich deutliche Unterschiede.

Während insgesamt 82 Prozent der AMS-Kunden mit der Erstberatung zufrieden waren, sind es bei den Personen mit Migrationshintergrund nur 56 Prozent. Auch war ihnen nach dem Beratungsgespräch häufig weniger klar, was die eigentlichen Aufgaben des AMS bei der Arbeitssuche sind und wie der Bewerbungsprozess funktioniert.

„Es gibt Indizien dafür, dass mehr als eine reine Sprachproblematik vorliegt“, so ein Fazit aus der Kundenbefragung. Diese Kundengruppe habe offenbar einen höheren Unterstützungsbedarf.

AMS-Vorstand Johannes Kopf gesteht Defizite ein: „Hier müssen wir noch besser werden.“ Ein erster Schritt dazu sei bereits erfolgt, indem mehr Berater mit Sprachkenntnissen aus den Haupt-Migrationsländern aufgenommen worden seien. So gebe es in jeder AMS-Geschäftsstelle in Wien zumindest einen Berater, der türkisch oder serbisch spricht. Sämtliche Antragsformulare auch in der Muttersprache der Migranten aufzulegen, wie in anderen Ländern üblich, hält Kopf für keine gute Idee. „Wir bieten dafür Deutsch-Kurse an.“

Quelle: Kurier vom 14.01.2011 Online

Diese Problematik ist uns nicht unbekannt. Sie betrifft natürlich nicht nur die Arbeitsämter, sondern auch Verwaltungen, Schulen oder andere öffentliche Einrichtungen. Mit einer steigenden Zahl von Migranten muss natürlich auch das sprachliche Niveau der Formulare oder Unterlagen angepasst werden. Hierbei sollte es Ziel sein, die Konzepte und Regeln barrierefreier Sprache anzuwenden. Hier bietet sich jedoch Ämtern, Behörden, Schulen oder Verwaltungen auch eine große Chance, die über Jahrzehnte eingestaubte Amtssprache zu modernisieren, verständlicher zu werden und einen Schritt näher an den Bürger zu treten. Ob mit oder ohne Migrationshintergrund: Verständlichkeit ist ein Plus für alle Beteiligten.

Autor:

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.