Was ist gendergerechte Sprache?

Gendergerechte Sprache soll die Gleichsetzung der Geschlechter sprachlich ausdrücken. Anfangs wurde versucht Frauen mit verschiedenen Formulierungen gedanklich stärker zu repräsentieren. Immer öfter sieht man neuere Varianten: Sie sollen zeigen, dass neben Frauen und Männern auch andere Geschlechtsidentitäten angesprochen sind.

Ein Sternchen sorgt für Furore.

Die Meinungen zu genderbewusster Sprache und den verschiedenen Varianten gehen stark auseinander:

So kürte die Initiative „Anglizismus des Jahres“ den Begriff „Gendersternchen“ 2018 zum Sieger. Gründe für die Wahl: Der Begriff verbreitet sich schnell und spielt eine wichtige Rolle in der Debatte um gendergerechte Sprache. Die Initiative kürt Begriffe, die einen positiven Beitrag zur deutschen Sprache leisten.

„Schluss mit dem Gender-Unfug“ forderte hingegen der „Verein Deutscher Sprache“ in einem Aufruf im März. Die Verfasser*innen kritisieren „lächerliche Sprachgebilde“ wie „die Studierenden“. Dazu käme „als weitere Verrenkung noch der seltsame Gender-Stern“.

Binnen-I. Paarform. Gendergap. Gendersternchen.

Was sind die verschiedenen Genderformen, die die Gemüter so erhitzen? Ein kurzer Überblick:

  • Gendersternchen. Dabei handelt es sich um das Zeichen *. Es steht zwischen dem Wortstamm und der weiblichen Endung eines Wortes. Und wird eingesetzt, um neben Frauen und Männern auch weitere Geschlechter zu repräsentieren (Mitarbeiter*innen).
  • Gendergap. Statt des * wird ein _ eingesetzt (Mitarbeiter_innen).
  • Binnen-I. Hier steht der Buchstabe „I“ als Großbuchstabe zwischen Kleinbuchstaben (MitarbeiterInnen).
  • Paarform. Das sind beide Formen nacheinander ausgeschrieben (Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter).
  • Für die amtliche Rechtschreibung ist seitens des „Rat für deutsche Rechtschreibung“ nur die sogenannte Sparschreibung erlaubt (Mitarbeiter/-in).

Wie verständlich ist gendergerechte Sprache?

Angesichts der aktuellen Diskussion ist von Interesse, welchen Einfluss genderneutrale Sprache auf Verständlichkeit hat.

Dr. Friedrich und Prof. Dr. Heise von der TU Braunschweig nahmen sich dieser Aufgabe an: Im ersten Schritt ihrer Studie vereinfachten sie einen komplexen Vertrag eines deutschen Stromanbieters. Dann ersetzen sie alle männlichen Formen durch Paarformen. Zum Beispiel wurde Kunde zu Kunde und Kundin.

Die beiden Forschenden untersuchten, wie sich Sprachformen auf die Verständlichkeit auswirken. Darüber hinaus analysierten sie, wie sprachliche Komplexität die Verständlichkeit beeinflusst. Dazu ordneten sie den über 350 Versuchspersonen nach dem Zufallsprinzip vier Textversionen zu:

1) Ausgangstext mit männlichen Formen.

2) Vereinfachter Text mit männlichen Formen.

3) Ausgangstext in gendergerechter Sprache.

4) Vereinfachter Text in gendergerechter Sprache.

Die Versuchspersonen lasen den entsprechenden Text. Und beantworteten anschließend einen Fragebogen zur Verständlichkeit.

Das Ergebnis: Die Versuchspersonen schätzten die genderbewussten Texte nicht als weniger verständlich ein. Außerdem schnitten die sprachlich vereinfachten Texte deutlich besser ab als die Originale.

Wie sich die anderen gendergerechten Formen auf die Verständlichkeit auswirken, ist noch offen. Dennoch lassen die Ergebnisse folgende Schlüsse zu:

Gendergerechte Sprache ist nicht automatisch weniger verständlich. Es lohnt sich vielmehr, komplexe Texte insgesamt zu vereinfachen. Und scheinbar verständliches prüfen. Denn „selbst das Selbstverständliche ist nicht von selbst verständlich“ (Georg Wilhelm Exler).



Die Studie finden Sie unter
:

econtent.hogrefe.com/doi/10.1024/1421-0185/a000223

Weitere Quellen:

gb.uni-koeln.de/gendersensible_sprache/index_ger.html

deutschlandfunk.de/er-sie-die-genderfrage-im-rechtschreibrat.724.de.html?dram:article_id=433109

erwachsenenbildung.at/themen/gender_mainstreaming/grundlagen/sprache.php

tagesspiegel.de/wissen/geschlechtergerechte-sprache-nuetzliche-sternchen-brauchen-keine-amtshilfe/22646438.html

jetzt.de/hauptsache-gendern/gendern-warum-ist-geschlechtergerechte-sprache-so-verhasst

spiegel.de/spiegel/unispiegel/geschlechtergerechte-sprache-brauchen-wir-das-a-1219042.html

anglizismusdesjahres.de

vds-ev.de/gegenwartsdeutsch/gendersprache/gendersprache-unterschriften/schluss-mit-dem-gender-unfug/

aphorismen.de

Noemi Jahne-Warrior

Autor: Noemi Jahne-Warrior