Die Gedanken sind frei…

…wer kann sie erraten,
 sie fliehen vorbei
 wie nächtliche Schatten.
 Kein Mensch kann sie wissen,
 kein Jäger erschießen,
 es bleibet dabei:
 die Gedanken sind frei.

So lautet die erste Strophe des bekannten Volksliedes „Die Gedanken sind frei“. Zum ersten Mal veröffentlicht wurde der Text um 1780. Zu dieser Zeit galt für unsere Gedanken: „Kein Mensch kann sie wissen“. In der Hirnforschung etablierte sich im 18. und 19. Jahrhundert die sogenannte „funktionelle Lokalisation“. Der Theorie zufolge führen bestimmte Bereiche des Gehirns unterschiedliche Funktionen aus. Heutzutage, gut 200 Jahre später beschäftigt sich die Neurowissenschaft mit dem „Gedankenlesen“.

Wie funktioniert das?

Während wir hören und sprechen erzeugt unser Gehirn bestimmte Muster. Forschende arbeiten daran diese Wellenmuster auszuwerten und umzuwandeln. So gelang es in den Niederlanden, gelesene Buchstaben zu rekonstruieren. Eine spezielle Software erzeugte aus den Aktivitätsmustern des Hirns Bilder. Den Forschenden zu Folge gaben diese Bilder die gelesenen Buchstaben erstaunlich exakt wieder. Forschende des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) entwickelten eine weitere Methode. Und stellten Sprache auf Basis von Hirnströmen als Text dar.

Verständlichkeit dank Künstlicher Intelligenz

An der Columbia University arbeiteten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen daran Hirnsignale in verständliche Sprache umzuwandeln. Für das Experiment hörten die Probanden kurze Texte. Und die Signale im Hörzentrum des Hirns wurden gemessen. Im Anschluss gaben die Forschenden die Daten in ein neuronales Netzwerk ein. Die künstliche Intelligenz ordnete dann die Signale bestimmten Lauten zu. Ein weiteres Programm wandelte die decodierten Signale in Sprache um. Danach spielten die Forschenden Freiwilligen die erzeugte Sprache vor: Die Teilnehmenden verstanden 75 Prozent richtig.

Einsatz der Technik

Die Idee Gedanken lesen zu können fasziniert viele Menschen. Andere empfinden die Vorstellung eher als beängstigend. Für all diejenigen gibt es Entwarnung: Im Alltag auszulesen was unsere Mitmenschen denken, bleibt ein Wunsch- oder eben Albtraum.

Bevor das Verfahren Anwendung findet, entwickeln die Forschenden der Columbia University das Verfahren weiter. Sie verfolgen das Ziel mit der Methode nicht nur gesprochene, sondern auch gedachte Worte wiederzugeben. In der Zukunft könnten Menschen dadurch ihr verlorenes Sprachvermögen zurückerhalten.



Die Studie der Columbia University finden Sie hier.

Weitere Quellen:

https://www.br-klassik.de/programm/sendungen-a-z/mittagsmusik/mittagsmusik-extra-volkslieder-198.html

http://www.bpb.de/apuz/30881/eine-sehr-kurze-geschichte-der-modernen-hirnforschung?p=all

https://www.scinexx.de/news/technik/forscher-lesen-sprache-aus-gehirnstroemen-ab/

https://www.sciencedirect.com/science/article/abs/pii/S1053811913007994?via%3Dihub

https://www.scinexx.de/news/technik/ki-macht-gedanken-hoerbar/

https://www.frontiersin.org/articles/10.3389/fnins.2015.00217/full

https://www.scinexx.de/news/medizin/gedankenlesen-hirnscan-verraet-gelesene-buchstaben/

https://t3n.de/news/hirnforscher-koennen-sprache-mithilfe-von-ki-aus-hirnstroemen-rekonstruieren-und-machen-sie-hoerbar-1140800/

 

Noemi Jahne-Warrior

Autor: Noemi Jahne-Warrior