Hier auf unserem Blog hatten wir das Thema Produktinformationsblätter (PIB) schon mehrfach auf dem Schirm. Meist war der Grundtenor unserer Beiträge und der vorgestellten Studienergebnisse, dass diese Art der  Verbraucherinformation für Verbraucher leider oft noch unbrauchbar ist. Vor allem wegen der mangelnden Verständlichkeit. Der Anlass für unseren heutigen Beitrag ist zur Abwechslung mal etwas erfreulicher.

 

Etwas mehr Klarheit bei den Kosten

Schon seit der Einführung der Produktinformationsblätter in 2012 diskutierten Experten darüber, welche Darstellungsform der Kosten für Verbraucher am einfachsten verständlich und transparent wären. Ganz allgemein zusammengefasst ging es bei der Diskussion vor allem darum, ob es besser sei, die Kosten  in Prozent oder in Euro auszuweisen.

So plädierte beispielsweise das Institut für Finanzdienstleistungen (iff) für eine Darstellung in Euro. Das Institut für Transparenz in der Altersvorsorge (ITA)  hingegen, stellte sich auf die Seite derjeniger, die sich für eine Darstellung in Prozent stark machten.

Nun sorgt ein Urteilsspruch des BGH vom Mai dieses Jahres für etwas mehr Klarheit: Anbieter von Altersvorsorge-Produkten müssen die Kosten, die mit dem Vertrag entstehen,  in Euro angeben. Die Angabe der Kosten als reine Prozentangabe widerspreche der Verbraucherschutzgesetzgebung, so das Urteil.

Ist es  nicht möglich die Kosten zu nennen  –  weil diese etwa zum Zeitpunkt der Berechnung nicht feststehen  –   müssen sie durch Beispiel-Rechnungen verdeutlicht werden (z. B. „x Euro von einem Kapital von 100 Euro pro Fondswechsel“).

 

Kosten klar – alles klar?

Zwar ist die Darstellung der Kosten nur eine von mehreren Ursachen für die oft mangelnde Verständlichkeit von PIB. Und dennoch ist eine verbindliche Regelung hierfür ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.

Sicherlich, es gibt auch bei der nun verbindlichen Darstellungsform der Kosten Kritikpunkte, die auch durchaus berechtigt sind. Zum Beispiel ist es bei  Riester- oder Basisrentenverträgen nicht absehbar, ob sie sich mit 2 %, 3%, 4% oder 8 % jährlich entwickeln werden. Die Angaben der Kosten in Euro ergeben hier kein verlässliches Bild der Kosten und könnten beim Verbraucher zu Missverständnissen führen.

Dennoch kann man es als Fortschritt im Sinne des Verbrauchers bezeichnen, dass es eine verbindliche Regelung gibt. Durch die Einführung einer einheitlichen Darstellungsform hat der Verbraucher die Chance diese zu lernen und immer wieder anzuwenden.

So können Verbraucher die Kosten verschiedener Produkte und Anbieter leichter miteinander  vergleichen – ohne dafür ein finanzmathematisches Studium absolviert haben zu müssen.

Klar, auf der sprachlichen Ebene der PIB gibt es nach wie vor reichlich Platz nach oben, was die Verbesserung der Verständlichkeit und Verbraucherfreundlichkeit betrifft.

Wir bleiben aber optimistisch und hoffen für die Zukunft,  auch in dieser Hinsicht positive Fortschritte melden zu können.

Lesen Sie bis dahin gern weitere Sprachlupe-Beiträge zum Thema PIB:

 

 

 

 

 

 

Autor:

Oliver Haug ist Mitbegründer und Geschäftsführer des Communication Lab. Der Kommunikationswissenschaftler berät zu den Themen Kundenansprache und Corporate Language. Seine Spezialgebiete sind Verständlichkeitsanalysen, Prozessoptimierung und Markensprache.