Lebenslagenbefragung der Bundesregierung

Das Statistische Bundesamt untersucht alle zwei Jahre die Zufriedenheit von Unternehmen und Bürger*innen mit Behörden. Mit mehr als 5.000 Bürger*innen sowie über 2.000 Unternehmen wurden dafür telefonische Befragungen geführt. Ziel der Befragung ist die bessere Zusammenarbeit der öffentlichen Verwaltung mit Bürger*innen und Unternehmen.

Ergebnisse der Befragung 2019

Die Skala der Bewertung geht von „sehr unzufrieden“ (-2) bis „sehr zufrieden“ (+2). Insgesamt liegt die Zufriedenheit der Bürger*innen mit behördlichen Dienstleistungen bei 1,2. Für Unbestechlichkeit und Diskriminierungsfreiheit erhielten die Behörden mit 1,8 die höchste Wertung. Hingegen bewerten sie die Möglichkeit von E-Government (0,5) und die Öffnungszeiten (0,8) unterdurchschnittlich.

Auch die Verständlichkeit von Behördentexten wird weniger gut bewertet: Für die Verständlichkeit offizieller Schreiben ergab sich ein Durchschnittswert von 0,9. Die Verständlichkeit von Formularen und Anträgen liegt im Durchschnitt bei 0,7.

Am verständlichsten empfanden die Befragten Formulare und Anträge für Heirat / Lebenspartnerschaft (1,4). Eine positive Entwicklung zeigt sich auch bei der Berufsausbildung. Formulare und Anträge dieser Lebenslage wurden bei der aktuellen Befragung mit 1,0 bewertet. 2015 lag der Wert noch bei 0,4. Verschlechtert haben sich hingegen die Formulare zur Steuererklärung (0,3 im Vergleich zu 0,7 im Jahr 2017). Der Wert für die Verständlichkeit von Rechtstexten liegt nur bei 0,5.

Warum ist Behördendeutsch nicht verständlich?

Verwaltungssprache zielt darauf ab komplexe Sachverhalte zusammen zu fassen. Gleichzeitig soll sie eindeutig und rechtssicher sein. Zudem erkennen Fachexpert*innen oft gar nicht, dass Behördendeutsch fern von Alltagssprache ist. Für sie sind Fachwörter völlig verständlich und gehören zum Alltag: Was ist die „Eisenbahn-Verkehrsordnung“? Das ist doch sonnenklar. Laien hingegen „verstehen nur Bahnhof“.

Neben Fachbegriffen gibt es noch andere Elemente, die die Verständlichkeit einschränken. Dazu zählen Schachtel- und Passivsätze, Nominalisierungen und Abkürzungen ohne Erklärungen. Zudem schleichen sich oft verstaubte Begriffe und Floskeln ein. Komplexe Textstrukturen mit vielen Querverweisen sind verwirrend. Der „Bürokratenstil“ unterscheidet sich also deutlich von unserer Alltagssprache. Diese kennzeichnet sich zum Beispiel durch eher kurze Sätze und einfache Worte aus.

Alltagssprache in der Verwaltung?

Um bestimmte Inhalte eindeutig zu bezeichnen, sind Fachausdrücke notwendig. Das bedeutet, dass Alltags-Begriffe Fachbegriffe nicht einfach ersetzen können. Aber die Verwaltungssprache kann einen Schritt auf die Leser*innen zugehen. Behördenmitarbeiter*innen können Schachtelsätze auflösen, Fachbegriffe erklären und Abkürzungen erläutern. Denn „Es genügt nicht, dass man zur Sache spricht. Man muss zu den Menschen sprechen“ (Stanislaw Jerzy Lec).

Quellen:
https://www.amtlich-einfach.de/

https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/2019/12/PD19_461_p001.html
http://www.bpb.de/politik/grundfragen/sprache-und-politik/42703/verwaltungssprache

Noemi Jahne-Warrior

Autor: Noemi Jahne-Warrior