Gute Nachrichten aus der Pharmabranche. Die Europäische Arzneimittelagentur möchte die Beipackzettel von Medikamenten vereinfachen. So sollen die Pharmafirmen demnächst weniger festgelegte Phrasen benutzen, ohne dabei rechtliche Konsequenzen fürchten zu müssen. Dies ist ein ganz interessanter Aspekt, denn diese sogenannten QRD-Templates, also die von der Behörde vorgegebenen Sätze, sind mitunter eine reine Katastrophe und oft das Schwerste am Beipackzettel. Hier einmal ein schönes Beispiel für einen von der Behörde vorgegebenen Pflichtsatz:

„Die Europäische Arzneimittel-Agentur hat für das Arzneimittels eine Zurückstellung von der Verpflichtung zur Vorlage von Ergebnissen zu Studien in einer oder mehreren pädiatrischen Altersklassen entsprechend dem gebilligten pädiatrischen Prüfkonzept (PIP) im zugelassenen Anwendungsgebiet gewährt (siehe Abschnitt 4.2 bzgl. Informationen zur Anwendung bei Kindern und Jugendlichen).“

Verbessern statt befreien?
An diesem Satz sieht man sehr schön, weshalb die Befreiung von diesen Standard-Klauseln vermutlich tatsächlich eine Verbesserung der Beipackzettel zur Folge haben wird. Dies liegt aber weniger an der Verwendung von standardisierten Textbausteinen, sondern vielmehr daran, dass die standardisierten Textbausteine von der Behörde mitunter nicht zu verstehen sind.

Prinzipiell plädiere ich für Standardsätze. Allerdings für gute, leicht verständliche Standardsätze. Angenommen, die Standardsätze würden auf Verständlichkeit optimiert. Einmal vernünftig. Dann könnte zukünftig jeder Hersteller auf diese Standard-Formulierungen zurückgreifen und müsste sich keine Gedanken mehr machen, ob dieser Satz jetzt verständlich ist oder nicht.

Bei der momentanen Qualität der Standardsätze ist es jedoch sehr zu begrüßen, dass die Behörde nicht mehr auf die Verwendung besteht. Ihr Ziel, mehr Verständlichkeit im Beipackzettel kann so durchaus erreicht werden, allerdings mit der falschen Maßnahme. Eigentlich sollten nicht die Standardsätze abgeschafft, sondern drastisch verbessert werden. Ein Beispiel:

Standardsatz der Behörde:

Wenn Sie schwanger sind oder stillen, oder wenn Sie vermuten, schwanger zu sein oder beabsichtigen, schwanger zu werden, fragen Sie vor der Einnahme dieses Arzneimittels Ihren Arzt oder Apotheker um Ra.

Was die Behörde damit meint:

Achtung:
Bitte kontaktieren Sie Ihren Arzt oder Apotheker vor Einname des Medikaments, wenn:
– Sie schwanger sind
– Sie stillen
– Sie vorhaben schwanger zu werden
– oder glauben schwanger zu sein

Daher wäre der aus meiner Sicht sinnvollere Weg gewesen, die Standardsätze zu vereinfachen anstatt nun ein an sich gutes Konzept über den Haufen zu werfen.

Nutzen des Medikaments darf zukünftig mehr betont werden

Zudem darf der Nutzen des Arzneimittels demnächst mehr betont werden. Hier ist noch abzuwarten, wie die Firmen damit umgehen. Der Beipackzettel ist prinzipiell als Informationsmedium gedacht. Verbraucher sollen darin wichtige Informationen finden, beispielsweise über Nebenwirkungen oder die Aufbewahrung. Ob es dabei hilfreich ist, wenn die Unternehmen zukünftig mehr Werbung einsetzen dürfen? Wir werden sehen.

Link zum Artikel: Pharmazeitung

Infos zu den QRD-Templates

Autor:

Als Kommunikationswissenschaftler beschäftigt sich Dr. Anikar Haseloff tagtäglich mit Sprache. Er lehrt und forscht zum Thema Verständlichkeit an mehreren Universitäten in Deutschland.